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Hier geht’s lang: Die Pilgerroute führt durch die Toskana bis nach Rom. Foto: Feel Good Studio/Shutterstock
AktivNatur

Entlang der Via Francigena

Von Yvonne Gordon

Dieses Gefühl durch ein Gemälde zu laufen. Unter dem blauen Himmel wand sich ein grasbewachsener Pfad zwischen mit Heuballen gespickten Feldern, im Hintergrund ragten Zypressen auf. Der Hügel in der Ferne war mit einer Flickdecke aus goldenen Feldern, hellgrünen Weinbergen und dunkelgrünen Olivenhainen bedeckt. Einsam gelegenen Villen und eine winzige Hügelstadt vervollständigten das Bild. Auf meiner Reise entlang der Via Francigena, einer alten Pilgerroute von Nordeuropa bis nach Rom, konnte ich solch beeindruckende Aussichten jeden Tag genießen.

An jenem Tag war ich im Städtchen San Miniato aufgebrochen, hatte meine Wasserflasche am Trinkbrunnen gefüllt, mir einen Vorrat an Obst, belegten Broten und süßen Cantuccini Keksen zugelegt und mich auf den Weg gemacht. San Miniato, strategisch an der Kreuzung der Via Francigena mit der Route Florenz-Pisa gelegen, war im Mittelalter Schauplatz vieler Kämpfe, und das Schloss und die Stadtmauern wurden von einer Vielzahl an Herrschern verstärkt. Aber als ich an jenem Tag das Arno Tal überblickte und dann die Stadt verließ, um die toskanische Landschaft zu Fuß zu erkunden, blieb alles ruhig.

Als ich von der Hauptstraße auf die weiße Schotterstraße abbog, wich der Lärm der Fahrzeuge dem Rauschen der Bäche und einem Orchester aus Vögeln und Grillen. Ich passierte luxuriöse Steinvillen mit prächtigen Zufahrtsalleen und geschäftige Bauernhöfe, Weinberge und Olivenhaine. Bei all dem bewunderte ich den Blick übers Tal auf die schwarzen und blauen Hügel im Hintergrund.

San Gimignano ist eine wichtige Raststätte entlang der Route. Foto: Alpineguide/Alarmy, Kevin George/Alarmy

Am Ende der Tagesstrecke erreichte ich das Städtchen Gambassi Terme und genoss einen vitalisierenden Kaffee, bevor ich mich daran machte, die Straßen und Gassen des Städtchens zu erkunden. Ich fand hohe Häuser mit verzierten Türbögen, Fenster mit hölzernen Läden und gefüllten Blumenkästen und alte Straßenlampen, die mir in der Dämmerung den Weg leuchteten. Im Mittelalter war dieses Städtchen für seine heißen Quellen berühmt, Pilger machten hier Rast, um ihre müden Glieder zu entspannen oder das als heilsam geltende Wasser zu trinken. Heutzutage können Pilger hier immer noch baden oder in ein modernes Wellnesscenter einchecken.

Der nächste Tag führte mich nach San Gimignano. An vielen Stellen war der Pfad mit weißen, von Schmetterlingen und Libellen umtanzten Wildblumen gesäumt, anderswo umgaben mich dunkelgrüne Eichen- und Kastanienwälder und Olivenhaine, mit Schildern die mich auf Rehe oder Verköstigungsmöglichkeiten von Wein und Olivenöl hinwiesen.

Eine meiner liebsten Raststätten auf dem Weg war Monastero di Bose in Pieve di Cellole. Auf einem Hügel gelegen und von Unmengen Wildblumen umgeben bietet sich von den Holzbänken hier eine unglaubliche Aussicht auf das Val d’Elsa. Ein Schild bittet hier um ‚silenzio‘ – aber die Aussicht ist genug, um jeden zu stillschweigender Reflektion zu bringen. Die kleine romantische Kirche hier stammt ursprünglich aus dem Jahr 1109, wurde zwischenzeitlich wiederaufgebaut, und in einem kleinen Lädchen fand ich im Kloster hergestellte Töpfereien und Konserven.

Der nächste Abschnitt dieser Tagesstrecke führte mich durch hohes Gras und Blumen bis zur Hauptstraße nach San Gimignano, und die berühmten mittelalterlichen Türme der Hügelstadt kamen in Sicht. Ich betrat die Stadt durch einen beeindruckenden Torbogen und folgte den von Restaurants und Eiscafés gesäumten Straßen auf die Piazza del Duomo. In den Läden hier wird alles von Souvenirs bis Salami verkauft. Auf mich wartete die Spitze des Torre Grossa Turms, wo ich die Landschaften, die ich durchquert hatte und die, die noch kommen sollten, überdachte.

Yvonne Gordon ist eine preisgekürte Reisejournalistin. Sie können Ihr auf Twitter folgen: @YvGordon

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