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Zweimal hingeschaut: Pistoia ist der kleinere, charmantere Zwilling von Florenz. Foto: Neil Grant/Alamy
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Immer wieder Toskana

Von Lisa Gerard-Sharp

Lisa Gerard-SharpWer die Toskana zum ersten Mal besucht, denkt häufig an Fresken, nicht an Felder voller Sonnenblumen. Florenz zum Beispiel – die Stadt Botticellis und Brunelleschis, die Heimat der Hälfte des italienischen UNESCO Weltkulturerbes, wirkt häufig überwältigend. Im August kommt es zu wahrhaftigen Staus vor den Goldschmieden der Ponte Vecchio, und Michelangelos adriger David geht fast in den Menschenmassen unter. Toskana-Neulinge treibt es ebenso nach Siena und zum schiefen Turm von Pisa, eventuell mit einer kurzen Pause in San Gimignano (Spitzname: mittelalterliches Manhattan) und einer 0815 Weinprobe auf einem bekannten Chianti Weingut. Nach einer überwältigenden Menge Kunstgeschichte und berühmten Weinen wird die Toskana als erledigt betrachtet.

Wie wäre es stattdessen, den ausgetretenen Pfad zu verlassen? Wiederkehrende Toskana Besucher (egal ob zum zweiten oder zwölften Mal) riskieren, ihr Herz an ein verschlafenes Hügelstädtchen zu verlieren. Genießen Sie die Klänge Puccinis auf einer kleinen Piazza, erkunden Sie Festungsmauern oder genießen Sie ein Nickerchen im Schatten der Sonnenblumen. Die Nebenstraßen laden jeden ein, ob Kunstkenner oder Siebenjähriger, ob mit Vin Santo oder gelato als Gegenmittel zur Überwältigung durch die Kunst. Und sogar Trotzanfälle aller Altersgruppen sind seltener, wenn Sie in wenig besuchten, kleinen Museen echte Kunstwerke bewundern.

Wenn Ihnen Florenz gefallen hat, versuchen Sie es doch einmal mit Pistoia, einer kleineren, weniger touristisch erschlossenen Version, die sogar ein ähnliches Rathaus hat – einen mini Palazzo Vecchio. Mit schattigen Sträßchen und mittelalterlicher Atmosphäre scheint in Pistoia die Zeit stehen geblieben. Der Hauptplatz zeugt auf eindrucksvolle Weise von mittelalterlicher Macht. Bewundern Sie die fröhlich gestreifte, romanische Kathedrale, den himmelhohen Glockenturm und die beeindruckende Taufkapelle. Erklimmen Sie den mit Zinnen geschmückten Glockenturm, um sich einen umfassenden Überblick über die herrliche Piazza zu verschaffen – es ist eine der schönsten der Toskana. Mit vielen exklusiven Fußgängerzonen zeigt sich Pistoia auch von seiner modernen Seite, mit bemerkenswerten Museen und Straßenkunst, die auf die vielfältige kulturelle Szene der Stadt hinweisen. Nichtsdestotrotz spazieren die franziskanischen Mönche in Ihren braunen, mit Stricken gegürtelten Roben in der Dämmerung durch die Straßen, genauso, wie schon im Mittelalter.

Lucca erkunden Sie am besten zu Fuß – und halten Sie die Augen offen, um die Straßenkunst zu bewundern. Foto: Lisa Gerard-Sharp

Wenn Ihnen Pisa und die Millionen von Fotos am schiefen Turm zu viel sind, ist das viel menschlichere und perfekt erhaltenen Lucca für Sie. Umgeben von einer Stadtmauer aus der Renaissance lädt Lucca ihre Besucher zu Spaziergängen und Einkaufstouren und in wunderschöne Kirchen und gemütliche Cafés ein. Die beeindruckende Mauer ist ideal zum Spazieren, Laufen oder Fahrrad fahren, für anregende Gespräche oder traute Zweisamkeit. Die Skyline von Lucca übertrifft sogar die von Pisa, mit atemberaubenden Aussichten von der Spitze des romanisch-gotischem Torre Guinigi Turmhauses. Aus der Stadt der merkwürdigen Kirchen sticht die gemusterte San Michele in Foro, eine romanische Schaffung an Stelle des römischen Forums, heraus. Schlendern Sie durch die Via Fillungo, eine der schönsten Einkaufszonen der Toskana, und besuchen Sie die elegante Pasticceria Taddeucci für Kaffee und Gebäck. In Lucca ist das Leben noch so, wie es sein sollte.

Schauen Sie in den Alabasterwerkstätten von Volterra den Meistern bei der Arbeit zu. Foto: Aquarius/Alamy

In Volterra finden Sie die etruskische Toskana, ohne die Menschenmassen von San Gimignano. Von einer majestätischen Hügelkette aus überblickt Volterra die umliegenden Hügel und Täler, und dominiert diese versteckte Ecke der Toskana. Betreten Sie die Stadt durch eines der am besten erhaltenen etruskischen Tore Italiens. Die Straße führt zur malerischen Piazza die Priori, überblickt vom Rathaus der Stadt, welches als Vorbild für den Palazzo Vecchio in Florenz diente. Ein Spaziergang durch diese vielschichtige, mittelalterliche Stadt führt vorbei an römischen und etruskischen Mauern und antiken Epigrafen in Villen der Renaissance. Das charmante etruskische Museum durchläuft die ganze Skala der etruskischen Dämonenlehre und griechischen Mythologie, mit Seemonstern, griechischen Göttern und beeindruckenden Greifen. Mysteriöse Skulpturen lassen die Grenze zwischen Sterblichkeit und Unsterblichkeit verschwimmen. Bevor alles zu viel wird, sollten Sie noch die Alabaster Werkstätten der Stadt besuchen, in denen Alabaster in alter, etruskischer Tradition verarbeitet wird.

Der San Biagio Turm ist der ewige Wächter der Piazza Grande in Montepulciano. Foto: Kumar Sriskandan/Alamy

Weiter im Süden ist Montepulciano eine würdige Alternative zur überfüllten Renaissance-Stadt Siena. San Biagio steht hier Wache. Dieser beeindruckende Tempel der Renaissance wird von einer perfekten Kuppel gekrönt, und die klaren Linien machen denen des Pantheons in Rom Konkurrenz. Das Rathaus ist eine kleinere Version des Palazzo Vecchio in Florenz, der Turm überblickt die Region Siena – vom Val d’Orcia bis zum Monte Amiata und sogar Siena selbst. Mit Blick über den Hauptplatz bietet die Weinkellerei Contucci Cantine eine Kostprobe des gehobenen Lebens, mit einem Stolz, der dem der Stadt gerecht wird. Die Contucci Dynastie stellt den Vino Nobile di Montepulciano schon seit der Renaissance auf dem Anwesen Ihrer Vorfahren her. Da wir hier in der Toskana sind, bietet die Familie die Führungen durch den Weinkeller sowie Kostproben an. Dem Wein wurde eine ganz besondere Ehre verliehen, als der Sommelier von Papst Paul III es zu „einem perfekten Wein, einem Wein für Adlige“ ernannte. Statten Sie auch dem ebenso gehobenen Caffè Poliziano einen Besuch ab, und genießen Sie den Blick auf die Landschaft, am besten mit einem Glas Vino Nobile in der Hand.

Genießen Sie einen entspannten Spaziergang durch das Herz von Montalcino. Foto: Valerio Mei/Evgeny Shmulev/Alamy

Wenn Ihnen Pienza zu bekannt ist, besuchen Sie Montalcino, eine Nachbarin Montepulcianos. Aus der Ferne scheint Montalcino wie ein mittelalterliches, sieneser Gemälde, gerade bei Sonnenuntergang. Währens Pienza sorgfältig geplant war, ist Montalcino rund um ihre Festung gewachsen, was der Stadt ein Gefühl von Freiheit und einen ganz eigenen Charakter gibt. Mit wenig was man gesehen haben muss geht es in Montalcino um das entspannte Leben, und darum, die Aussicht der Heimat des preisgekrönten Brunello die Montalcino Weines zu genießen. Die Zitadelle ist die Essenz Montalcinos, mit mittelalterlichen Bollwerken, atemberaubenden Aussichten und einem Weinverköstigungscenter.

Die Toskana ist mehr als die vielerorts von wohlhabenden Internationalen besiedelte Chianti Region. Wenn Ihnen die Schwere des Chiantis zu viel wird und Ihnen das Herz nach natürlicher Eleganz steht, besuchen Sie das Val d’Orcia. In Montalcino beginnt der Flickenteppich aus UNESCO gekürten rustikalen Schlössern, kleinen Weilern auf Hügeln, versteckt gelegenen Klöstern und stimmungsvollen, natürlichen Kurbädern. Mit sich schlängelnden Weinbergen und herausstechenden Zypressen ist die Landschaft hier weniger bevölkert, weniger herausgeputzt und weniger erschlossen als in der Chianti Region. Hier leben die Menschen noch in tiefer Harmonie mit der Umgebung. Lassen Sie sich berühren und bezaubern, ob von einem Feld voller Sonnenblumen oder bei einer Ballonfahrt über das Tal.

Die Wanderung zur Girifalco Festung bei Cortona lohnt sich schon für die Aussicht. Foto: Francesco Bonino/Alamy

Und schließlich, wenn Sie genug von Arezzo haben, besuchen Sie Cortona, das Idealbild einer Hügelstadt. Cortona ist ideal, um sich auf die Spuren der Etrusker zu begeben, oder um in verführerischen Cafés den Puccini spielenden Straßenmusikern zu lauschen. Bewundern Sie im etruskischen Museum den mit Delfinen und Gorgonen überzogenen Kronleuchter als Beweis, dass dies die wichtigste etruskische Stadt der nördlichen Toskana war. Wandern Sie bis zur Medici Festung, um von dort den Blick auf terrassierte Olivenhaine und Weinberge bis hin zum Lago Trasimeno zu genießen. Dieses herrliche Fleckchen Erde war einst eine Akropolis der Etrusker. Träumen Sie in der Weinbar der Zitadelle oder genießen Sie ein typisch toskanisches Fiorentina Steak mit einem guten Chianti Classico. Vergessen Sie die Fresken: die Toskana bietet Wiederkehrenden die Gelegenheit, sich zufälligen Begegnungen hinzugeben.

To Toskana bietet eine herausragende Auswahl an Ferienunterkünften in der Region.

Lisa Gerard-Sharp

Lisa Gerard-Sharp ist eine preisgekrönte Reisejournalistin, Lektorin, Fotografin und Rednerin mit einer Leidenschaft für Italien. Sie schreibt unter anderem für die Zeitungen The Daily Telegraph, The Guardian und National Geographic Traveller (UK) sowie für Reiseführer und Onlineratgeber für National Geographic und Google. Sie hält auch Vorträge auf Konferenzen und hat über 30 Ratgeber geschrieben, darunter mehrere über die Toskana. Mehr können Sie unter www.lisagerardsharp.com herausfinden.

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